„Bhutaner ehren den Roten Panda als heiliges Tier“

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Ein Roter Panda im Sakteng Wildlife Sanctuary in Bhutan. Die Aufnahme entstand mit einer Kamerafalle. Foto: Joanne Millar/Red Panda Bhutan Project

Das Sakteng Wildlife Sanctuary im äußersten Osten Bhutans musste in den vergangenen Jahren gravierende Verluste an fruchtbarem Boden hinnehmen. Davon betroffen ist auch die Population der Roten Pandas, von denen etwa 30 in dieser Region vermutet werden. Um diese zu schützen, arbeitet die Charles Sturt University (CSU) in Albury, Australien mit dem WWF Bhutan, der Regierung des Landes und 120 Familien der Brokpas, einer halbnomadischen Gemeinschaft von Hirten, zusammen.


Das Sakteng Wildlife Sanctuary im Osten Bhutans. Größere Karte anzeigen

Im E-Mail-Interview erzählt uns Projektleiterin Dr. Joanne Millar vom Institut für Land, Wasser und Gesellschaft der CSU, mit welchen Maßnahmen die Roten Pandas geschützt werden sollen und warum Wilderei in Bhutan kein Thema ist.

Red Pandazine: Wann und warum wurde dieses Schutzprojekt für die Roten Pandas ins Leben gerufen?

Dr. Joanne Millar: Das Projekt befasst sich mit der Landdegradation und dem Verlust von Lebensraum für die Roten Pandas in der Sakteng Wildlife Sanctuary in Bhutan. Begonnen hat es im Mai 2016 für einen Zeitraum von drei Jahren.

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Projektleiterin Dr. Joanne Millar

Red Pandazine: Warum ist der Verlust von Land so ein Problem in dieser Region?

Dr. Joanne Millar: Als Reaktion auf die wachsende Bevölkerungszahl und um die Milchleistung für die kommerzielle Käseproduktion zu erhöhen, stieg in den letzten 20 Jahren der Rinderbestand. Jetzt ist er viel zu hoch für die nur begrenzt verfügbaren Flächen, insbesondere in den Winterweidegebieten, was zu einer Überweidung, Abholzung und Grabenerosion geführt hat. Starke Regenfälle, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, verursachten außerdem Sturzfluten und Erdrutsche. Auch der Bambus für die Roten Pandas wurde durch die Beweidung reduziert.

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Brokpas bei Arbeiten zum Roten-Panda-Schutzprojekt im Osten Bhutans. Ein großer Teil des halbnomadischen Hirtenvolkes bestreitet den Lebensunterhalt mit der Viehzucht und hält Yaks und Rinder, die in Höhenlagen von 3.000 bis 5.000 m weiden. Foto: Joanne Millar/Red Panda Bhutan Project

 

Red Pandazine: Im Sakteng Wildlife Sanctuary leben Brokpas, ein halbnomadisches Hirtenvolk. Welche Rolle spielen diese Familien bei diesem Schutzprojekt?

Dr. Joanne Millar: Die 120 am Projekt beteiligten Hirtenfamilien stammen aus dem Dorf Merak. Dort planen und errichten sie Zäune, sorgen für die Wiederbegrünung und bauen Dämme. Um die Futtererträge zu steigern und gleichzeitig den Baumschnitt zu verringern, säen sie auf den Winterweideflächen ganzjährige Nutzpflanzen aus. Seit einer Studienreise nach Sikkim, bei der es darum ging, mehr über den Schutz des Roten Pandas zu erfahren, sind einige Familien auch daran interessiert, Bambus für die Roten Pandas zu pflanzen, in der Hoffnung, sie wieder im Gebiet anzusiedeln. Sie haben das Potenzial erkannt, damit Touristen anzulocken und auch entsprechende Unterkünfte anzubieten.

 

Die durch die intensive Nutzung als Weideland in Mitleidenschaft gezogene Vegetation soll wiederhergestellt werden. Foto: Joanne Millar/Red Panda Bhutan Project

Red Pandazine: Sind Bhutans Rote Pandas auch durch die Wilderei bzw. den illegalen Tierhandel wie in Nepal bedroht?

Dr. Joanne Millar: Bisher wurde noch niemand beim Wildern erwischt, sodass angenommen werden kann, dass die Wilderei nicht existiert oder sehr niedrig ist. Das mag daran liegen, dass die Bhutaner die Roten Pandas als heiliges Tier ehren. Sie glauben, dass es Glück bringt, wenn man einen sieht. Es gibt auch eine stark ausgeprägte buddhistische Überzeugung, Tiere nicht zu töten.

Über das Bhutan-Projekt

Am Schutzprojekt in Bhutan beteiligen sich die Charles Sturt University Australia, der WWF Bhutan und die Regierung von Bhutan. Außerdem wird es vom Red Panda Network unterstützt. Geleitet wird es von Dr. Joanne Millar, als Beauftragter ist ihr Kollege Dr. Karma Tenzing halbjährlich Bhutan, um das Projekt zu koordinieren.

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:

  • Wiederbegrünung erodierter Flächen
  • Umzäunung von unberührten Gebieten
  • Aufzucht von Weideland
  • Errichtung einer Spargemeinschaft zum Aufbau alternativer Geschäftszweige
  • Einrichtung eines Wollverarbeitungszentrums, um den Arbeitsaufwand zu reduzieren und die handwerkliche Produktion zu erhöhen
  • Testen von tragbarer Biogasanlagen zur Reduzierung des Brennholzverbrauchs
  • Verringerung der Viehbestände

Mehr zum Thema

Der offiziellen Blog des Rote-Panda-Schutzprojektes in Bhutan.

Vom 1.-3. Mai wurde in Trashigang im Osten Bhutans ein Workshop zum Schutz der Roten Pandas veranstaltet.