Die geheimnisvollen Roten Pandas von Meghalaya

red panda pixabay katharinakanns

Versteckt und voller Geheimnisse. Foto: katharinakanns / Pixabay

Kühl und schattig mögen sie es. Am liebsten tollen sie im Schnee herum, kämpfen gegen Kürbisse und wenn es im Sommer heiß wird, dann stellen viele Zoos sogar Nebelmaschinen auf, damit ihnen die Hitze nicht zu schaffen macht. Für Rote Pandas sind Temperaturen über 25 °C eine Zumutung.

Balpakram national park

Im Nokrek sowie im Balpakram Nationalpark (im Bild) wurden Spuren von den Roten Pandas gefunden. Foto: Hgm2016 (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Rote Pandas und die Tropen

Umso verblüffender ist die Entdeckung, die in den 1980er Jahren im Nordosten Indiens gemacht wurde. Im Gebiet der Garo und der Khasi Hills im Bundesstaat Meghalaya wurden Spuren einer Roten-Panda-Population gefunden – der einzig bekannten in einer (sub-)tropischen Region. “Das war offenbar der Rest einer Population, die inzwischen verschwunden sein dürfte oder kurz vor der Ausrottung steht”, berichtet Dr. Anwaruddin Choudhury. Der renommierte Naturforscher ist international anerkannt für sein Wissen rund um die Tierwelt Nordindiens und arbeitet für die Regierung in Assam.

Drei Felle bilden die Beweisgrundlage für diese seltsame Episode in der Naturgeschichte. Eines davon hat Dr. Choudhury im guten Zustand erhalten. Es stammt vom bekannten Arzt und Sportjäger Dr. John Lao, der in den Garo Hills auf Pirsch war.

rote panda fell spur

Dr. Anwaruddin Choudhury (r,) mit Dr. John Lao und dem Fell des Roten Pandas. Foto: Dr. Anwaruddin Choudhury

Neben diesen – zugegeben recht traurigen – Überresten der Kleinen Pandas gab es nur vereinzelte Beobachtungen. Zu wenig Sichtungen, um den Schutz der Tiere zu fördern. Zu wenige Möglichkeiten, mehr über diese mysteriöse Population zu erfahren. Weder von ihrer Ernährung noch ihren Feinden ist etwas bekannt. Auch darüber, wie die Roten Pandas mit dem für sie so ungemütlichen Wetter umgegangen sind, herrscht Unklarheit.

Unten am Fluss

Eventuell lebten sie in den höher gelegenen Gegenden von Meghalaya, wo ein kühleres Klima mit viel Regen vorherrscht. „Im Winter wird es sogar ziemlich kalt”, erklärt Dr. Choudhury. Maximal 2 °C werden auf den Berggipfeln gemessen.


Von den Mishmi Hills im Nordosten Indiens bzw. dem Südosten Tibets brachen die Roten Pandas auf: Eine Population wählte den Weg nördlich des Brahmaputras zum Himalaya, die andere, kleinere ging südlich des Flusses nach Meghalaya. Eine Population folgte dem Gaolingong Shan-Gebirge in den Süden/Südosten und eine weitere bewegte sich Richtung Nordosten in die chinesische Provinz Sichuan.

Erste Theorien gibt es hingegen zur Herkunft der Roten Pandas. Dr. Choudhury macht vier Wanderbewegungen bei den Roten Pandas aus, die er in einem Fachartikel für das Oryx Journal (siehe unten) skizziert. Dem Brahmaputra-Fluss kommt dabei eine besondere Rolle zu. Am Nordufer wanderten die Roten Pandas Richtung Himalaya, südlich des Flusses nach Meghalaya, wo der Brahmaputra-Fluss auch endet. Möglicherweise hat es die Kleinen Pandas also durch die geographischen Gegebenheiten in die tropische Zone verschlagen. Was dann mit ihnen geschah und wie sie dort lebten, werden wir allerdings wohl nie erfahren.


Mehr zum Thema

Dr. Anwaruddin Choudhury auf Wikipedia.

Der Artikel „An overview of the status and conservation of the red panda Ailurus fulgens in India, with reference to its global status“ ist in Oryx, Volume 35, Issue 3, S250-259, Juli 2001 erschienen.