„Der Rote Panda ist eine der am schwierigsten zu filmenden Säugetierarten“

Red Panda (Ailurus fulgens), climbing, captive, India, Darjeeling

In einer neuen Dokumentation wird er zum Star: der Rote Panda. Foto: Dr. Axel Gebauer

Bald zehn Jahre ist es her, dass die letzte umfangreiche Filmdoku über Rote Pandas ihre Premiere feierte. Seitdem gab es für Rote Panda-Fans nur wenig Neues zu sehen. Tierfilmer Dr. Axel Gebauer will dies nun ändern. Der ehemalige Zoodirektor des Naturschutz-Tierparks Görlitz und anerkannte Pandaexperte arbeitet derzeit an zwei aufwändig produzierten Dokus über Rote Pandas. Unter dem Arbeitstitel „Der Kleine Panda“ entsteht eine etwa 45-50 Minuten lange TV-Dokumentation für das deutsche Fernsehen sowie eine Kurzversion namens „The Forgotten Panda“, die in den Zoos und in der Bildungsarbeit zum Einsatz kommen soll.

Zwischen den Dreharbeiten in Nepal, Bhutan und Indien hat sich Dr. Gebauer die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten. Und klärt dabei auf, warum es so lange gedauert hat, bis sich ein Dokumentarfilmer wieder an den Roten Panda herangewagt hat.

panda spotting

Auf der Suche nach den Roten Pandas. Foto: Dr. Axel Gebauer

 

Red Pandazine: Wie entstand die Idee zu dieser Dokumentation und seit wann arbeiten Sie an dieser?

Dr. Axel Gebauer: Als Direktor des Naturschutz-Tierparks Görlitz und großer Asien-Liebhaber habe ich schon Mitte der 1990er Jahre die Idee für ein großes naturnahes Katzenbärgehege entwickelt. Das wurde dann 1997 eröffnet. Seitdem züchtet der Tierpark die Art regelmäßig.

Als Verhaltenswissenschaftler hatte ich zudem immer ein Interesse an der Klärung offener Fragen zur Biologie dieser Tierart. Einen kleinen Beitrag konnte ich liefern, und zwar zum Mutter-Kind-Verhalten und zur Lautgebung der Art – siehe Red Panda. Biology and Conservation of the First Panda, herausgegeben von Angela Glatston. Dennoch bleibt der Rote Panda eine Tierart, über die man wenig weiß.

2010 gab ich meinen Job als Zoodirektor auf, um meiner zweiten Leidenschaft, der Tierfotografie und -filmerei, mehr Raum geben zu können. Da war es eigentlich folgerichtig, dass ich versuche, über meine Lieblingstierart einen Film zu machen.

foggy forest

Schwierige Dreharbeiten in den dichten, nebelverhangenen Bambuswäldern des Himalaya. Foto: Dr. Martin Kaiser

Red Pandazine: Bislang gibt es erst sehr wenige Dokus über Rote Pandas. „Cherub of the Mist“ ist wohl einer der bekanntesten Filme. Was glauben Sie ist der Grund, warum sich bislang nur so wenige Filmschaffende an eine Rote Panda-Doku herangewagt haben?

Dr. Axel Gebauer: Der von Ihnen genannte Film der indischen Gebrüder Bedi ist meines Wissens die einzige nennenswerte Dokumentation über den Katzenbär. Inzwischen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass der Rote Panda wohl eine der am schwierigsten zu filmenden Säugetierarten ist. Das hängt mit seinem unübersichtlichen, nicht sehr „filmerfreundlichen“ Lebensraum – den dichten Bambuswäldern des Himalaya, die sich an extrem steile Berghänge schmiegen –, aber auch mit seiner heimlichen Lebensweise zusammen. Er versteckt sich fast immer weit oben in den Bäumen und ist dadurch äußerst schwer zu finden.

Der Rote Panda ist außerdem im wahrsten Sinne des Wortes faul – um Energie zu sparen. Seine Hauptnahrung, der Bambus, ist nicht sehr gehaltvoll. Deshalb faulenzt und verschläft er 80 Prozent des Tages.

Red Pandazine: Wie haben Sie die Tiere dann gefunden und vor die Linse bekommen?

Dr. Axel Gebauer: Dank der engagierten und kenntnisreichen Leute vor Ort. Ohne die Mitarbeiter des Red Panda Network Nepal hätten wir die Tiere nie so gut sehen können.

Red Pandazine: Welche Szenen waren am schwierigsten zu drehen? 

Dr. Axel Gebauer: Schlafende, kletternde und Bambus fressende Katzenbären kann man gut drehen, wenn man das schwierige Gelände mit der schweren Kameratechnik meistert. Alles andere ist komplizierter.

Red Pandazine: Fokussieren Sie sich auf eine der beiden Unterarten – Ailurus fulgens fulgens bzw. Ailurus fulgens styani – oder kommen beide vor?

Dr. Axel Gebauer: Da beide Unterarten im Prinzip dasselbe Verhalten an den Tag legen, ist das nicht relevant, obwohl wir nur Ailurus fulgens fulgens, also die westliche Unterart, gedreht haben. Zudem wird es nicht um systematische Fragestellungen, sondern um die Art an sich gehen.

Red Pandazine: Wie war die Reaktion der Bevölkerung auf die Dreharbeiten? War sie involviert?

Dr. Axel Gebauer: Sehr positiv bis hin zur Begeisterung. Sie waren mehr als involviert – ohne deren logistische und fachliche Hilfe könnten wir den Film nicht drehen.

Red Pandazine: Haben Sie bereits das gesamte Material zusammen?

Dr. Axel Gebauer: Nein, es fehlt noch eine ganze Menge, zumal der Film keine Monografie werden, sondern einen Eindruck vom Lebensraum mit seinen vielen anderen Bewohnern vermitteln soll.

10-Gebauer-Pandafilm_Foto_Dr_Axel_Gebauer

Einer der Hauptdarsteller. Foto: Dr. Axel Gebauer

Red Pandazine: Wann und wo wird die Doku ihre Premiere feiern?

Dr. Axel Gebauer: Voraussichtlich 2017 im deutschen Fernsehen.

Red Pandazine: Wird Ihr Film auch bei Festivals zu sehen sein?

Dr. Axel Gebauer: Hoffentlich!


Mehr zum Thema

Auf der Webseite von Dr. Axel Gebauer gibt es einen ersten Trailer. Bezüglich der TV-Premiere und etwaigen Festivalterminen versuchen wir euch hier auf dieser Seite sowie auf Facebook und Twitter am Laufenden zu halten.